Achtsamkeit im Garten – interressante Analogien

Ich nutze den Sommer um mich möglichst viel draußen aufzuhalten.
Tippe am PC in meiner schattigen Laube und bin viel im Garten.

Mein Garten ist nicht besonders groß und doch bietet er einen naturnahen Erlebnisraum.


Ich nenne ihn meinen Therapiegarten, denn viele Einfälle und Erkenntnisse verdanke ich der Gartenarbeit. Immer wieder kann ich Analogien zu meinen inneren Prozessen dabei finden.

Ganz aktuell beobachte ich mich, wie ich alte Pflanzungen pflege und nur wenige neue Gestaltungen beginne. So ist das auch gerade mit meinem Berufsleben. Ich bemühe mich nicht um neue Arbeitsbereiche, mache nur wenig neue Angebote. Das alte Gute aber nähre ich. Ich gehorche und vertraue dabei meinen inneren Impulsen.

Für jeden Boden, ob kalkhaltig, lehmig, oder sandig und für jede Stelle, ob sonnig, oder schattig, gibt es eine passende Pflanze. „Das Beste aus den gegebenen Bedingungen herausholen“, sinniere ich. So will ich es auch in meinem Leben halten.

Gerne nehme ich an, was die Natur mir schenkt. Ich habe beobachtet, wie sich Pflanzen selbst einen, für sie passenden, Platz suchen. So hat sich dieses Jahr ganz viel Mutterkraut in meine Beete gesetzt, ist von selbst aufgegangen. So viel, wie noch nie. Dazu fällt mir ein: Meine Mutter hatte einen Schlaganfall und lebt nun, sehr eingeschränkt, im Pflegeheim. Immer, wenn ich die buschigen weißen Blütenstauden sehe, denke ich an sie.
Rainfarn und die Zaunrübe sind mir heuer als Überraschungsgäste im Garten willkommen. Ich interessiere mich auch meist für die neuen Gäste, will sie kennenlernen. Das erweitert mein Wissen um Pflanzen und ihre Heilkraft.

Weiteres habe ich erfahren: In der Natur läuft nicht alles so wie ich es plane und eigentlich im Leben auch nicht. Ein Fakt der uns alle immer wieder fordert. Pläne zu schmieden ist wichtig, aber  Flexibilität und Vertrauen machen es möglich immer wieder dem Fluss und der Weisheit des Lebens zu folgen und nicht im Eigendünkel zu erstarren.
Was mache ich, wenn meine Buschbohnen einfach nicht keimen wollen? Gebe ich auf, sähe ich nochmals, hole ich Tipps ein, bekomme ich Zweifel an meinen gärtnerischen Fähigkeiten? Wie will ich mich dazu einstellen? Das bleibt schließlich allein meine Wahl.

Wie löse ich die „Schneckenfrage“? Da ich keine Lebewesen töten möchte, habe ich mich entschlossen, die glitschige Plage im Kübel zu sammeln, um sie an einem unverfänglichen Platz, außerhalb meines Gartens, „ins Exil“ zu schicken. Es ist schon ein gewisser Aufwand um meinen Prinzipien treu zu bleiben, aber es fühlt sich besser an, als die Tiere mit der Gartenschere zu zerschneiden.

Immer wieder gibt es Pflanzen, die sich unverschämt viel Platz nehmen und alle anderen überwuchern, wenn ich nicht ab und zu eingreifen würde. Es gehört zu meinen gärtnerischen Pflegetätigkeiten solche Wucherer regelmäßig im Zaum zu halten.
Heimlich wuchernde, platzgreifende  Pflanzen…da fallen mir meine Gewohnheiten ein. Wenn ich auf so manche Fernsehsendung verzichten würde, hätte ich mehr Zeit für anderes. Denn ich habe so den Verdacht, dass das „Filme schauen“ meine Eigenzeit raubt und außer Entspannung nicht wirklich viel Wert hat. Aufregende Filmszenen spucken dann noch am nächsten Tag in meinem Geist herum und haben mit meinem eignen Leben eigentlich nichts zu tun. Will ich das weiter so halten, oder eine Änderung einleiten?

Das waren nur ein paar Beispiele für Erkenntnisse in meinen kleinen Therapiegarten. Er bietet außerdem eine ungeheure Wahrnehmungsvielfalt. Die Farben der Blüten, diverseste Blattformen, reichhaltige Düfte, das haptische Erleben beim Werken und auch die Geschmackserlebnisse von frisch gepflückten, reifen Früchten. Ganz besonders genieße ich auch das „in Verbindung Sein“ mit den Rhythmen der Jahreszeiten. Das Betrachten vom „Werden und Vergehen“, als natürlichen Prozess dem auch wir Menschen unterworfen sind.
Alles in allem, die Achtsamkeit im Garten ist nicht nur interessant, sondern bringt auch immer wieder neue Impulse in mein Leben.
https://www.sinngrid.at/angebote/mbsr/achtsamkeit-und-stressbewaeltigung/

Vielleicht erlebst auch du Analogien in deinem Garten und möchtest diese teilen. Ich freue mich über deinen Beitrag!

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