EINFACH TUN WAS GUT FÜR UNS IST

Von Trägheiten, Blockaden und anderen Widrigkeiten…

Viel kann man über Selbstfürsorge lesen und meist wissen wir auch was uns gut täte.
Ich schreibe bewusst täte, denn verflixter Weise gelingt es uns nicht immer das Erkannte in die Tat umzusetzen.
Oft haben wir einen ganzen Korb voll guter Vorsätze und wir schaffen es nicht einmal einen einzigen davon zu verwirklichen! Das ist bitter.  Aber Vorsicht, so geht das auch nicht! Wir müssen Schritt für Schritt gehen und dafür reicht zuerst einmal ein einziges Vorhaben.

Aber vielleicht kennt ihr ja auch folgendes. Ich nehme mir, zum Beispiel wild entschlossen vor, ab sofort, täglich zu meditieren (es könnte auch etwas anderes sein) und es will nicht gelingen.
An einem Tag habe ich viel Wichtigeres zu tun, nein da geht es leider gar nicht. Am nächsten Tag bin ich zu müde und am übernächsten braucht mein Kind meine Unterstützung. Frustriert von meinen mangelnden Fortschritten „vergesse“ ich schließlich auf meinen Entschluss. Dabei wäre meditieren so wichtig für mich um zu Ruhe und Klarheit zu finden.

Ich kenne solche Spompanadeln gut, bin ich doch leider auch nicht von Haus aus „Disziplin begabt“.

Was aber hält ab, was blockiert da?

In achtsamer Erforschung von Widerständen geübt, kann ich bei mir manchmal eine bestimmte Trägheit wahrnehmen. Eine Art Lähmung fällt dann über mich. Da ist körperliche Schwere und Unbeweglichkeit, ebenso geistige Leere und unmotivierte Stimmung. Desinteresse und Müdigkeit stellen sich ein, eine massive Hürde baut sich auf und will mich von meinem Vorhaben abhalten.

Dann erinnere ich mich, dass die Achtsamkeit eine Einladung dazu ist, mit dem zu sein was gerade da ist.

Also habe ich mir, bei der letzten Gelegenheit von Demotivation, Zeit genommen um diesem Zustand ausreichend Raum zu geben und ihn zu erforschen.
Mir fiel zuallererst auf, dass ich diesen Zustand nicht leiden kann, mich in meiner Trägheit nicht mag. Ist da etwa die Vorstellung ich müsste besser sein als ich bin? Kann ich diese Vorstellung aufgeben und mich in meiner Hilflosigkeit freundlich annehmen? Es dauerte einige entspannte Atemzüge bis ich mich gedanklich gelöst hatte und mir selbst liebevolle Anteilnahme schenken konnte. „ Es ist völlig O.K., dass ich nicht immer diszipliniert sein kann“, habe ich zu mir gesagt.
Nach gewonnener Akzeptanz schwirrten einige Fragen durch meinen Kopf. Ist da Langeweile, weil mich etwas anderes mehr interessieren würde? Boykottiert mich ein unerfülltes Bedürfnis? Vielleicht bin ich ja tatsächlich wirklich einfach nur müde? Was könnte der Grund meines Widerstands sein, wogegen richtet er sich? Welches Gefühl möchte er nicht zulassen? Die Selbsterforschung hatte begonnen.

Auch umfangreichere Fragen zum Thema „Motivation“, die ich nicht so schnell beantworten konnte, haben sich gezeigt. Wie etwa: „ Habe ich vielleicht gelernt nur etwas zu tun um belohnt zu werden? Brauche ich einen guten Grund um etwas zu tun? Fällt es mir schwer Dinge ohne jegliche Erwartungshaltung zu tun?
Gibt es ein altes Muster, eine verstaubte Haltung, die es mir erschwert mich zu motivieren?
Oder auch: „Fällt es mir leichter etwas für andere zu tun, weil ich nicht gelernt habe, etwas für mich selbst zu tun?

Silvia Wetzel beschreibt in ihrem Buch „Lass los was dich beschwert“, drei Arten von Trägheit.


  • Trägheit aus Abneigung

Wenn wir etwas ungern machen, weil wir es leid sind, es keinen Spaß macht.

Kreativer Umgang

Wie kann ich mir die Aufgabe angenehm gestalten? Braucht es eine andere innere Haltung, oder im Außen eine Annehmlichkeit?
Pflichtbewusste Menschen können sich mit der Einsicht in die Notwendigkeit motivieren.

  • Die Trägheit aus mangelndem Selbstvertrauen
    Wenn man vor einer Aufgabe steht, wo man wenig Zutrauen hat sie auch bewältigen zu können (Kompetenz fehlt).

Kreativer Umgang

Vielleicht hilft es sich zu erlauben Fehler zu machen und sich einzugestehen, dass man nicht auf jedem Gebiet Fachmann/frau sein kann.
Die Frage: „Wie finde ich trotzdem einen passenden Weg?“ kann schon wieder neugierig machen und motivieren.  
Vielleicht ist es aber auch angezeigt jemanden um Hilfe zu bitten?

  • Trägheit als Geschäftigkeit getarnt

Hinter  geschäftigem Tun, kann sich Trägheit in Form von Ausweichen und Aufschieben verbergen. Das heißt ich tue alles mögliche, aber nicht das was ich mir eigentlich vorgenommen hatte.

Kreativer Umgang

Hier ist es sinnvoll die Prioritäten zu überprüfen und sich auch zu erlauben für das Zeit zu nehmen, was einem wirklich wichtig ist.
Tun was uns am Herzen liegt gibt Kraft. Widerstand kostet Kraft.


Es lohnt, sich diesen Frageprozessen zu stellen und sich dafür auch Zeit zu nehmen. Aus Erkenntnis und Akzeptanz entsteht in mir tatsächlich ein Motivationsfunke.

Auch Zweifel können unsere Bestrebungen unterminieren. „Was bringt mir das?“, „Kann ich das schaffen?, „Wofür soll ich mich anstrengen?,“ könnte eine kritische Stimme in mir fragen.
Es spielt eigentlich keine Rolle woran genau sich der Zweifel festmacht, er torpediert jedenfalls meine zielstrebig nach vorne gerichtet Kraft.
Doch selbst der Zweifel hat einen positiven Aspekt. Hilft er doch „wichtiges“ von „unwichtigem“ zu unterscheiden, hilft zu analysieren und differenzieren.
Die Ebene des Denkens erschöpft sich jedoch irgendwann und wir kommen nicht umhin uns der Dimension der Erfahrung zu öffnen, wenn wir uns nicht im Denken verirren wollen (Kreisdenken).
Wir müssen einen Entschluss fassen, etwas wagen und mit voller Kraft weiter gehen. Da ist dann erst einmal Unsicherheit, denn wir wissen ja nicht wie der eingeschlagene Weg weitergehen wird. Doch es gibt keine Garantie, das Leben will gelebt werden!
Achtsamkeit führt durch das Tor des Zweifels und das Tor der Unsicherheit. Durch konsequente Praxis können wir Sicherheit in der Unsicherheit erfahren.

Was außer Selbsterforschung konkret tun, wenn die Motivation verebbt?

Na ganz pragmatisch: Die Frage nach dem „Warum“, nach ehrlicher Selbsterforschung, wieder beiseitelassen. Einen klaren Entschluss fassen und dann das Vorhaben freundlich umsetzten, aus Selbstfürsorge heraus.
Ich erinnere mich an eine meiner Lehrerinnen, die hat fast süffisant zu uns Schülern gesagt: „…und du musst es nicht mögen! Schließlich putzen wir auch unsere Zähne, nicht weil wir es so gerne tun, sondern weil wir wissen, dass es gut für uns ist “.
Also sich selbst am Kragen packen und sich ohne „wenn und aber“ auf das  Mediationskissen setzen, die Gymnastikmatte ausrollen, mit einer unliebsamen Arbeit beginnen oder was auch immer. Vielleicht begleitet von einer freundlichen, wohlwollenden, inneren Stimme, die dir zuflüstert: „Tue es für dich und dein Wohl und du darfst es auch genießen! Wie schön ist es mit allen Facetten lebendig zu sein!“

Abschließend noch ein aufmunterndes Zitat von Johann Wolfgang von Goethe.
„Auch aus Steinen, die uns in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen“

Und wie immer freue ich mich über Kommentare und konstruktive Beiträge!

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