Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Meditation in den Fokus zahlreicher wissenschaftlicher Forschungen gerückt. Ich erinnere Bilder von verkabelten Mönchen und Meditationsmeistern, die sich in den Dienst der Forschung gestellt haben.
Sowohl subjektive Erfahrungsberichte, sowie die Studien belegen eine Vielzahl von positiven Auswirkungen für unsere mentale und körperliche Gesundheit.
Was bringt´s?
Bei uns im Westen macht man sich, gemäß unserer Mentalität, diese Vorteile zunutze. Man fragt sich: „Was bringt´s mir? Welchen Nutzen habe ich davon? Wozu kann ich Meditation brauchen? Warum mir die Mühe antun?“
Achtsamkeitstrainings, Stressbewältigungsprogramme (MBSR) und Retreats boomen. Sie sind voll im Trend und verwenden meditative Praktiken.
Ich kann schon verstehen warum sich so manchen Buddhisten die Zehennägel aufrollen, angesichts dieser Phänomene. Ist doch die Mediation ein sehr wichtiges Element der Buddhistischen Lehre, die seit ca. 2500 Jahre besteht. Meditation ist eine Übung der Achtsamkeit und Sammlung mit dem Ziel der Aufhebung und Beseitigung von Leiden. Die vollkommene Befreiung wird im Buddhismus „Nirvana“ genannt und ist nichts Geringeres als eine nicht konzeptionelle Ebene des SEINS.
Das ist jetzt einmal schwer zu verstehen, geschweige denn zu erleben. Für die meisten bleibt diese Ebene unerreichbar.
Ich bin davon beeindruckt wie intensiv sich Buddhistische Mönche mit Meditationstechniken befasst haben und wie detailliert, ja minutiös, sie ihre Erfahrungen niedergeschrieben haben. Wichtig ist mir die Herkunft der Meditation und die unterschiedliche Ausrichtung zu erwähnen. Viel Dankbarkeit fließt meinerseits in die Buddhistische Richtung und an jene Menschen, die uns diesen Schatz zur Verfügung gestellt haben.
Säkularisiert – eine wertvolle Unterstützung für unsere herausforderndes Lebensweise
Wir „Westler“ verwenden Meditation als Aufmerksamkeitstraining, säkularisiert ohne Bezug zu Religion und erhoffen uns Unterstützung für unsere herausfordernde Lebensweise.
Auch auf diesem Gebiet gibt es eine Menge zu erreichen, was unser Leben lebenswerter und freudvoller macht und in der Folge die Welt zu einem besseren Ort. Denn was ich für mich selbst verwirklichen kann, strahlt nach außen.
Voraussetzung ist freilich regelmäßiges Üben, was eine gewisse Anforderung darstellt.
Im Wesentlichen ist Meditation ein Werkzeug von SELBSTERFAHRUNG, SELBSTERKENNTNIS, AUFMERKSAMKEITSSTEUERUNG und SELBSTREGULATION.
Hier möchte ich ein paar wichtige Bereiche kurz anschneiden:
Stressreduktion:
Meditation hilft, gewohnheitsmäßige Stressreaktionen mehr und mehr durch bewusstes Handeln zu ersetzen. Wir lernen nicht sofort und automatisch zu reagieren.
Achtsamkeit ist so etwas wie ein Frühwarnsystem für Stress. Indem wir zur Ruhe kommen und durch die erhöhte Aufmerksamkeit, werden wir sensibler für körperliche und psychische Signale, sowie unsere persönlichen Belastungsgrenzen.
Verbesserte Konzentration und Kreativität:
Regelmäßige Meditation erhöht die Aufmerksamkeitsspanne und die Konzentrationsfähigkeit, was sich positiv auf die Produktivität auswirkt.
Probleme können mit Abstand betrachtet und kreativ gelöst werden.
Achtsamkeit:
Durch das Innehalten schaffen wir Raum für gegenwärtiges, wertfreies, akzeptierendes Beobachten. Unser Gewahrsein richtet sich auf Körper, Gefühle, Geist und Geistesobjekte.
Emotionale Klarheit:
Indem wir menschliches Leid als unausweichlichen Teil unserer menschlichen Erfahrung akzeptieren, lassen wir alle Emotionen zu, die sich zeigen. Wir wissen, dass selbst ganz intensive Emotionen nur ganz kurz bestehen können (ca. 20 Minuten).
Wir können die negativen Gedankenmuster, die hinter „schwierigen Emotionen“ stehen erkennen und verändern. Damit verändern wir auch die emotionale Situation.
Angstbewältigung:
Ängste werden als Gedankenprojektionen in die Zukunft erkannt. Indem sie klar benannt werden, verlieren sie allmählich ihre Macht über uns. Mit etwas Übung können wir allmählich davon Abstand nehmen angstvolle Gedanken in uns zu nähren. In einem weiteren Schritt erwerben wir die Fähigkeit uns von unheilsamen, quälenden Gedanken zu distanzieren.
Selbsterkenntnis und Selbstbewusstsein:
Meditation fördert die Selbstreflexion. Wir werden uns darüber bewusst was wir denken und fühlen, lernen uns selbst besser kennen. Es eröffnet sich die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen. Entwicklungsprozesse können angesteuert werden, um als Persönlichkeit zu reifen. Dies trägt zu einem stabilen Selbstbewusstsein bei und führt zu mehr Autonomie und Authentizität.
Verbesserte zwischenmenschliche Beziehungen:
Achtsamkeit und Empathie, die durch Meditation gefördert werden, können die Qualität der Beziehungen zu anderen Menschen verbessern.
Körperliche Gesundheit:
Einige Studien haben gezeigt, dass Meditation positive Auswirkungen auf den Blutdruck, das Immunsystem, die Schlafqualität und die allgemeine Gesundheit hat.
Schon nach acht Wochen regelmäßiger Meditation sind körperliche Veränderungen im Gehirn, mittels bildgebender Verfahren, feststellbar.
So nimmt etwa die graue Substanz im Hippocampus zu. Der Hippocampus ist Teil des limbischen Systems, spielt eine Rolle bei der emotionalen Bewertung von Situationen und der Regulierung von Erregung.
Weil die Länge der Telomere zunimmt, stellt sich bei Meditierenden auch ein „Anti-Aging Effekt“ ein.
Zu den einzelnen Punkten wäre freilich noch viel mehr zu sagen und es gibt ja zum Thema Meditation auch umfangreiche Literatur (weiter unten im Blog habe ich ein paar Literatur Empfehlungen aufgelistet). Ich hoffe ich konnte einen Überblick geben und neugierig machen!
Abschließend das Allerbeste: Diese Fülle von lebensverändernden Impulsen ist für uns alle erreichbar!
Literatur Empfehlungen
Jon Kabat Zinn „Gesund durch Meditation“
Jack Kornfeld „Meditation für Anfänger“ mit CD
Pema Chödrön „Meditieren – Freundschaft schließen mit sich selbst“
Ulrich Ott „Meditation für Skeptiker“ (aus der Perspektive eines Neurowissenschaftlers)

