Eine Reise durch die Dunkelheit – Achtsam im Advent

Advent

Wenn es dunkelt, morgens und auch abends, zünde ich gerne eine Kerze an. Einfach weil es gemütlich ist. Das warme, heimelige Licht der Flamme soll mein Gemüt im Hellen, Positiven halten, wenn die Dunkelheit zunimmt.

In unseren Breiten erleben wir kalte Jahreszeiten, wie Herbst und Winter. Wie jedes Jahr welken Blüten und Gräser und die letzten Blätter fallen. Die Buntheit weicht, gedeckte Farben aus dem Spektrum Braun, Dunkelgrau, Violett treten in den Vordergrund. Die Lebenskräfte ziehen sich zurück und sammeln sich in den Wurzeln, tief unter der Erde. Die Natur leitet eine Ruhephase ein. Sie lädt zu Ruhe und Besinnung ein, ich kann mich dieser Tendenz gar nicht entziehen.

Das Dunkelwerden der Tage vor Weihnachten ist für mich eine besondere Zeit, noch ganz ohne religiösen Aspekt. Ich sehne mich nach Besinnlichkeit. Dem Sinn und der Sinnlichkeit möchte ich Raum geben. Muss es mir aber bewusst vornehmen und mich auf den Advent einstimmen. Denn wenn ich es nicht tue, verstricke ich mich all zu leicht im äußeren Wirbel. Das hat zur Folge, dass mir etwas fehlt, ohne dieses „Etwas“ genau benennen zu können. Es ist wohl eine universelle Spiritualität, die mich aus der Tiefe ruft.
Und so begebe ich mich auf die Suche um den Advent mit Sinn zu füllen. Ich suche Wege um in vorweihnachtliche Stimmung zu kommen, diese kann man nicht einfach herbei zaubern, auch wenn man sie gerne hätte, sich danach sehnt.

Dabei will ich erst verstehen was unsere Vorfahren mit dieser speziellen Zeit verbunden haben.

Die tiefe Bedeutung der Adventzeit hat eine lange Geschichte. Viele bis heute praktizierte Bräuche haben ihren Ursprung schon in vorchristlichen, naturbezogenen Traditionen. Das Wort Advent an sich bedeutet „Ankunft“. Das ist allgemein bekannt.
Bei den Germanen und Kelten hat man auf die Ankunft des „neuen Lichtes“ gewartet. Dieses wurde zur Wintersonnwende im Jul- oder Yulefest gefeiert. Auch die Römer und Griechen feierten ihren Licht und Sonnengott.
Was mag es im Altertum bedeutet haben, die Kälte und Dunkelheit des Winters zu überstehen? Die Menschen waren auf ihre Vorräte angewiesen. Hunger und Krankheiten haben die kalte Zeit bestimmt. Ich kann mir vorstellen, wie Kälte und Feuchtigkeit durch sämtliche Kleidungsschichten und das Schuhwerk gedrungen sind. Wie mag wohl das Lebensgefühl gewesen sein, wenn man  klamm und übel riechend, dem winterlichen Wetter ausgeliefert war? Vielleicht konnte man sich abends ein wenig am Feuer wärmen, bevor man sich in Tierfelle gehüllt zur Ruhe begab.
Es war bestimmt nicht leicht „gut durch den Winter zu kommen“, sondern eine zutiefst existenzielle Herausforderung, die im Alter immer schwieriger geworden ist, vermute ich.
Und dann am dunkelsten Punkt des Jahres die Wende! Die Wiedergeburt der Sonne wurde mit ausgelassenen Festen über mehrere Tage gefeiert.
Die Sonne schließlich brachte, nach entbehrungsreichen Zeiten, Licht, Wärme und die Fruchtbarkeit zurück ins Land. Verständlich, dass die Sonne als Lebensspenderin von unseren Vorfahren göttlich verehrt wurde.

Es ist nicht verwunderlich, dass Christi Geburt auf diese Tage gelegt wurde, hatten sie sich doch schon als Festtage etabliert. Die Geburt Christi gilt als Wiederkehr des göttlichen Lichtes auf die Erde. Verkündet durch Engel, geboren in tiefster Dunkelheit, in einem einfachen Stall, ereignete sich das Wunder der Ankunft des Sohn Gottes. In der christlichen Tradition beginnen mit dem Weihnachtsfest die zwölf heiligen Nächte.
Im gleichen Zeitraum, wurden aus vorchristlicher Zeit die Rauhnächte (auch Rauchnächte) überliefert.

Wie immer man sich dazu einstellt, das Warten in der Dunkelheit kann eine besondere Zeit werden, wenn wir sie dazu machen.
Zuerst einmal gilt es sich bewusst von Hektik und Konsumrausch abzuwenden, um Ruhe, Sammlung und Gemütlichkeit einziehen zu lassen. Dabei schadet es nicht für eine Weile den Fernseh- und Medienkonsum zu reduzieren.

Ich merke, dass ich mich der ersehnten Adventstimmung auch in feiner Sinnlichkeit nähern kann.

So bin ich unlängst durch die Kreativwerkstatt eines Pflegeheimes gegangen. Die Betreuerinnen waren intensiv dabei Weihnachtsdeko fürs Haus herzustellen. Nun bin ich wirklich kein Deko Freak und doch schmücke ich gerne auf meine Art, hauptsächlich mit Naturmaterialien.
Jedenfalls habe ich mir die Sterne, Weihnachtswichtel, Engel und Tannenbäumchen angesehen und mir gedacht, dass sich auch übers Schmücken und Dekorieren ein Adventbezug herstellen lässt. Haben wir doch, in den meisten Fällen unserer Kindheit, ein weihnachtlich geschmücktes Heim, einen Adventkranz, einen Weihnachtsbaum, erlebt.

Ich erinnere mich, dass ich als Kind Christbaumbehang aussuchen durfte, was mir großen Spaß  gemacht hat, ja eine besonders ehrenvolle Aufgabe für mich war. Damals hat der glitzernde Weihnachtsschmuck, der sorgsam in einer ganz bestimmten Schachtel aufbewahrt wurde, einen hohen Wert für mich gehabt. War er doch mit kindlichem Zauber und Weihnachtswunder belegt. Als wirklich wertvoll würde ich, aus heutiger Sicht, das Ahnen bezeichnen, dass sich hinter all den sichtbaren Dingen, geheimnisvolle unsichtbare Welten auftun.

Wohlige Behaglichkeit und eine stimmungsvolle Atmosphäre schaffe ich mir, indem ich für warme, indirekte Beleuchtung sorge. Wenn ich dann noch den Schwedenofen einheize und ins lebendige Feuer schauen kann, ist die Gemütlichkeit perfekt.
Gerne gehe ich, in diesen Tagen, in der Dämmerung spazieren. Bin Zeuge, wie in den Fenstern die Lichter angehen, lasse Straßenlaternen und Weihnachtsbeleuchtung auf mich wirken. Das erfrischt mich und holt mich aus dem Alltag. Ich lasse meine Gedanken schweifen, komme zu mir und freue mich ganz besonders aufs „Heimkommen“.

Achtsames Schauen…die Welt durch die Augen eines Kindes betrachten…sich bewusst öffnen für direkte sinnliche Eindrücke.
Auch bewusstes Riechen, Schmecken, Hören, machen die Adventzeit zu einem besonderen Ereignis.

So ist die Luft zur Weihnachtszeit voll betörender Gerüche. Ein Hauch von Vanille, Zimt, Nelke, Ingwer, Honig, Tannennadel, Zitrusfrucht und noch vieles mehr liegt, vieler Orts, in der Luft und bereitet mir Riechfreude und Riecherinnerungen.
Da gab es manch´ gemütliche Stube, wo gebacken worden ist. Ich erinnere mich an meine Großmutter und ans Kekse backen. Gekostet durften nur die zerbrochenen Kekse werden, die anderen verschwanden in blechernen Dosen, sie blieben dem Fest vorbehalten.

Das führt mich zu den geschmacklichen Genüssen, den vielen angebotenen Leckereien. Ein Glühwein mit Freunden, Weihnachtsfeiern mit Kollegen, diverse Kaffeekränzchen. Das Schönste ist für mich das gemeinsame Genießen, das Zusammensein, sich Zeit füreinander nehmen.
Früher, in den Ostkirchen, war der Advent sogar eine Fastenperiode, eine „geschlossene Zeit“. Es ging darum Ablenkungen und Zerstreuungen, wie wilde Gelage zu meiden, um Sammlung und Besinnung einkehren zu lassen.
Na, die völlige Askese muss es für mich auch nicht sein. Mehr der bewusste Genuss in Maßen, in dankbarer Gesinnung.

Adventkonzerte bringen mich auch in weihnachtliche Stimmung. Das Angebot ist da, ich muss nur wählen und es schaffen mir rechtzeitig Karten zu besorgen. In vielen Kirchen gibt es Gratiskonzerte. Sie eröffnen die Möglichkeit sich von Klängen berühren zu lassen.

Eine Sache will ich noch erwähnen. Als ich letztes Jahr versucht habe in weihnachtliche Stimmung zu kommen, habe ich mir eine Fotografie angesehen. Da bin ich 3 Jahre alt und stehe jubelnd und staunend vor dem Christbaum. Dieses Bild hat mich sehr berührt und hat mir geholfen mich auch jetzt als abgebrühte, erwachsene Person berühren zu lassen.
Freilich hilft es auch mit Kindern zu feiern. Die erwartungsvolle Freude der Kinderseelen wirkt einfach ansteckend.

Thematisch lasse ich mich überraschen. Jahr für Jahr, meist kurz vor Weihnachten, stellt sich bei mir ein bestimmtes Thema ein. Mal ist es das Kind in mir, angeregt durch das Jesukind in der Grippe. Mal die Kraft der Familie, das Gefühl „beheimatet zu sein“ etc. Die Betrachtungen die ich dann anstelle, geben dem Fest meinem persönlichen Sinn.

Sehr empfehlen kann ich ein Buch von Maren Schneider „Achtsam durch den Advent“ (Ruhig und gelassen bleiben in der Vorweihnachtszeit).
Im Buch gibt es diverse Anregungen für jeden Adventsonntag, für die Wintersonnwende und auch für die Rauhnächte. Dem Buch beigefügt ist eine CD mit verschiedenen kurzen Meditationen.
Mich begleitet dieses Buch seit dem Vorjahr. Ich lasse mich anregen und mitnehmen auf die Reise durch die Dunkelheit.
Maren Schneider gibt sogar einen Onlinekurs mit Achtsamkeitsmeditationen für jeden Adventsonntag.
https://www.achtsamkeit-online-akademie.de/kurse/achtsam-durch-den-advent/

Vielleicht magst du kurz schreiben was dich in Weihnachtsstimmung bringt! Anregungen sind für mich und alle LeserInnen stets willkommen!

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